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Dienstag, 8. Dezember 2015

Shitstorms - eine kleine Weihnachtsgeschichte

Vor ein paar Wochen haben wir uns an dieser Stelle mit Shitstorms auseinandergesetzt. Vor einigen Tagen prasselte ein Paradebeispiel auf die Facebook-Page von Lindt Deutschland nieder. Das Beispiel zeigt, wie unerwartet man in einen Shitstorm geraten kann und wie machtlos man diesem ausgeliefert sein kann. Aber gehen wir der Reihe nach.

Am 1. Dezember hat Lindt Deutschland auf seiner Facebook-Page eine Ankündigung für den diesjährigen Online Adventskalender gepostet. Klingt erst mal nicht sonderlich shitstorm-gefährdet.


In den Kommentaren melden sich jedoch am darauffolgenden Tag besorgte Bürger, die gesehen haben, dass der Adventskalender, den Lindt im Detailhandel vertreibt orientalische (gemäss den Kommentarschreibern auch islamische) Sujets zeigt. Weihnachten und Islam? Was für ein Skandal denken sich einige, der Shitstorm nimmt seinen Lauf.


Am Anfang versucht Lindt noch mit persönlichen Nachrichten auf die verschiedenen Kommentare zu antworten, um die Situation zu entschärfen.



Die Antworten gleichen sich aber bis auf die Anrede doch sehr stark und nach ein paar wenigen Versuchen gibt Lindt auf. Die Antworten blieben auch ziemlich wirkungslos, die ursprünglichen Kommentarschreiber sind kaum mehr auf die Antwort eingegangen und haben weiter Hass verbreitet oder sich aus der "Diskussion" zurückgezogen. Dafür war ein anderes, interessantes Phänomen zu beobachten. Normale Facebook-User haben nämlich angefangen, Lindt in Schutz zu nehmen und die Kommentare als fremdenfeindliches Geschwafel zu entlarven. Es gab heftige Wortgefechte, die nicht selten auch auf die persönliche Ebene getragen wurden. Teilweise wurden Schreiber für Inhalte auf ihren privaten Profilen diskreditiert. Das Ganze eskalierte ziemlich heftig.


Teilweise wurde mehrfach hin- und herdiskutiert, ohne jedoch wirklich auf die Argumente des Gegenübers einzugehen, es ging mehr um ein immer wiederkehrendes Niedermachen der Gegenseite. Man hatte das Gefühl, dass das ursprüngliche Thema mit der Zeit völlig egal war und es nur noch darum ging, im Internet mal wieder so richtig Dampf abzulassen.


Manche Kommentare waren so abstrus, dass man nur hoffen kann, dass es sich um reine Trolle handelt. Die wichtigste Erkenntnis aus der Geschichte ist, dass jedes Unternehmen jederzeit für jeden Inhalt in einen Shitstorm geraten kann. Wer hätte gedacht, dass die Ankündigung eines Adventskalenders zu einer "Debatte" über die Islamisierung Europas führen würde? Daher muss jedes Unternehmen eine Strategie haben, wie mit solchen Situationen umzugehen ist. Lindt hat sich in diesem Fall für den Rückzug entschieden. Wir sind der Meinung, dass das in dieser Situation wohl die richtige Entscheidung war. Beim Lesen der Kommentare wurde sofort klar, dass bei diesen Leuten mit Logik und Argumenten nichts erreicht werden kann. Gegen Argumentationsresistenz ist leider kein Kraut gewachsen. 



Daher ist Abwarten wohl die beste Strategie. Es wird nicht lange dauern bis beispielsweise der nächste Supermarkt Halal-Fleisch anbietet und damit den wütenden Internet-Mob zum Weiterziehen bewegt. Auch dieser Fall hat sich am Wochenende ereignet. SPAR Österreich hat Halal-Fleisch in sein Sortiment aufgenommen und wurde sofort mit den mehr oder weniger identischen Boykott-Ankündigungen eingedeckt. Die Tatsache, dass sich solche Geschichten fast täglich wiederholen und Feindbilder sich in der gleichen Geschwindigkeit wandeln macht es auch für betroffene Unternehmen besser verkraftbar. In ein paar Tagen dürfte die Lindt-Geschichte schon wieder vergessen sein und die Schokolade wird genauso süss schmecken wie vorher. 

Bis bald und bis dahin eine schöne Adventszeit, 
Manu und Beni


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